Und wie ich strahle!
Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
(Matthaus 5,14-16)
Jesu Wort vom Licht der Welt meint diejenigen, die sein Wort damals und heute hören und ihm nachfolgen. Es braucht solche Menschen, damit die Erde leben kann. Es braucht diejenigen, die sein Wort hören und tun (vgl. Mat. 7, 26). Wir können uns nicht zwingen, Licht der Welt zu sein. Aber es gibt Erfahrungen, dass es uns geschenkt wird. In der friedlichen Revolution 1989 in der damaligen DDR war die christliche Gemeinde es auf einmal. Weil sie aus einer eigenen Freiheit lebte und die Bergpredigt ernstnahm, war der Slogan „Keine Gewalt!“ nicht nur die Grundüberzeugung der Glaubenden, sondern auch das, was in diesen turbulenten Zeiten geboten war.
Entweder schenkt Gott es oder nicht. Wir können in keiner Weise das Wirken Gottes konservieren und mit ihm hantieren. Von den Schildbürgern wird berichtet, dass sie das Licht in Säcken auffangen und in ihr fensterloses Rathaus tragen wollten. Aber Licht kann man nicht einfangen, sondern man muss es dann nutzen, wenn es leuchtet.
Das Gleichnis überfordert nicht. Denn Jesus ist eigentlich das Licht der Welt (Joh. 8, 12). Aber wir sind „Kinder des Lichts“ (Eph. 5, 9) und in diesem Sinne haben wir teil am Licht der Welt. Das Bild vom Licht, das auf einem Leuchter gestellt wird, damit es das Haus beleuchtet, zeigt, worum es geht. Jesus hat kein LED-Flutlicht im Sinn, sondern die bescheidenen Öllämpchen in einem Haus der Antike. Damit sie etwas besser leuchten, stellt man sie an einen möglichst hohen Ort oder hängt sie an die Wand. Es sind letztlich kleine Leuchten, sie haben aber trotzdem eine orientierende Wirkung.
Wir kennen diese Wirkung vom Anzünden eines Zündholzes in einem völlig dunklen Raum. Zuerst ist es stockfinster, aber kaum ist das Licht entzündet, sehen wir das Nötigste. Jesus überfordert uns nicht. Wir sollen nicht die ganze Welt beleuchten, sondern nach der Maßgabe unserer Kraft an dem Ort, an dem wir leben, etwas von den guten Ordnungen Gottes deutlich werden lassen. Lebe in der Nachfolge und die Menschen in deiner Umgebung werden Orientierung finden!
Jesus will uns locken, aus den Kräften, die Gott schenkt, zu leben. Wenn wir auf uns sehen und auf unsere Möglichkeiten, dann werden wir eher verzagen. Vertrauen wir aber auf seine Kraft, dann wird es uns gelingen, als „Licht der Welt“ auszustrahlen. Wir sollen es nicht erst werden, wir sind es bereits.




