Christlicher Verein Junger Menschen (CVJM) Rüggeberg e.V.

Mein erstes Mal auf dem Bauspielplatz

Wenn aus Bedenken Begeisterung wird

Seit 16 Jahren ist mein Freund Jan schon beim Bauspielplatz dabei. Als Mitglied vom Planungsteam gehört er mittlerweile zu den „alten Hasen“. Was für ihn fast schon jährliche Routine ist, sollte für mich ein ziemliches Abenteuer werden: Das erste Mal als Mitarbeiterin auf dem Bauspielplatz.

Obwohl ich durch die Berichte von Jan schon viel Positives vom Bauspielplatz gehört hatte, reiste ich mit einigen Bedenken nach Rüggeberg: Finde ich Anschluss in einem Team, das sich schon seit Jahren kennt? Und was, wenn die Chemie zwischen den Kindern und mir nicht stimmt?

Mit diesen Gedanken streifte ich am Freitagmittag das pinke Mitarbeiter-Shirt über und landete in einer Woche voller unzähliger erster Male. Das erste Mal…

…mitfiebern beim Theater in der Kirche,

…viel zu viel Wassereis essen,

… Nudelauflauf zusammen mit 220 hungrigen Kindern verspeisen,

…verzweifeln, wenn ein Kind den dritten Nagel an genau derselben Stelle krummschlägt

…und natürlich das erste Mal Volleyballturnier und Nachtwache im Mitarbeiterteam!

Doch aller Anfang ist bekanntlich schwer: Ich übernahm eine Hütte mit vier siebenjährigen Mädchen – alle genau wie ich zum allerersten Mal dabei. Wie ich schnell lernte, kann das eine absolute Mammutaufgabe sein! Saure Schlangen, Schlümpfe und Apfelringe vom BSP-Kiosk waren für die Mädels anfangs viel spannender als die eigene Hütte. Das Bauen rückte zunehmend in den Hintergrund, schließlich gab es so viele faszinierende Dinge zu entdecken: Was ist Kin-Ball? Kann man im Märchenmobil Prinzessin spielen? Welche Basteleien gibt es im Gemeindehaus?

Als dann auch noch hitzige Streitigkeiten um die Hausnummer unserer Hütte ausbrachen, wagte ich einen leicht panischen Blick zur Nachbarhütte: „Da steht bereits die erste Wand!“ Mir kamen ernsthafte Zweifel: Werde ich etwa die einzige Hütte betreuen, die nicht rechtzeitig fertig wird?

Doch dann machte ich eine -wie mein Freund sagen würde – „klassische Bauspielplatz-Erfahrung“: Wenn man sich die Zeit nimmt und herausfindet, wie man jedes Kind individuell anspricht und abholt, fällt plötzlich der Groschen. Schnell stellte ich fest, wie faszinierend gut die Kids zuhören und mitziehen, wenn man erstmal den richtigen Zugang gefunden hat. Ab da lief alles wie am Schnürchen und die Mädchen strahlten voller Stolz als ihre Hütte fertig war. Bei der Schatzsuche am Donnerstag meisterten sie dann gemeinsam mit mir mutig die Nilüberquerung und die Prüfungen des Zauberers Malakai.

Beim Hütten-TÜV wurde es dann noch einmal aufregend: Die Hütte selbst war zwar absolut stabil, doch unsere liebevoll bemalte Leiter fiel leider durch. Das drohende Dachverbot ließ die Stimmung meiner Gruppe schlagartig in den Keller sinken. Doch wir gaben uns nicht geschlagen: Die Leiter wurde kurzerhand zur Dekoration erklärt und gemeinsam bauten wir eine neue, bombenfeste Leiter. Das Ergebnis: TÜV bestanden, Freudentränen und Eis für alle!

Bei all den schönen Momenten hat mich eins am meisten berührt: Das Gefühl, eine echte Bezugsperson für die Kleinen zu sein! Wenn die Kinder dauerhaft nach mir Ausschau hielten oder meine Hand gar nicht mehr loslassen wollten – das war einfach unbeschreiblich.

Zum Abschied überreichten mir die Mädels ein selbstgemachtes Armband, Blumen und eine Holzscheibe mit einem Herz aus eingeschlagenen Nägeln. Ich war so gerührt: Ich konnte den Kindern doch gar nichts zurückgeben! Doch Jan sagte mir: „Du hast diesen Kindern diese Woche doch schon alles gegeben.“

Genau das beschreibt meine Erfahrung auf dem BSP am besten: Wer sein Herz bedingungslos für andere öffnet, bekommt es tausendfach an Freude und Dankbarkeit zurück. Oder wie die Bibel es sagt: „Gebt, so wird euch gegeben“ (Lukas 6,38).

Meine anfänglichen Bedenken haben sich also in Sägemehl aufgelöst. Ich habe nicht einmal gemerkt, wie schnell ich ins Team aufgenommen wurde. Es passierte einfach wie von selbst. Was mich am Miteinander unter den Mitarbeitern besonders begeistert hat: Egal, wen man angesprochen oder um Hilfe gebeten hat – nie war jemand genervt oder sauer. Jeder hatte ein Lächeln auf den Lippen und war sofort mit voller Energie dabei. Keiner war sich für irgendetwas zu schade.

Ich durfte in dieser Woche zum ersten Mal erleben, wovon mein Freund mir jahrelang erzählt hat: Der Bauspielplatz ist ein kleines Wunder. So viele verschiedene Menschen – Kinder wie Mitarbeiter – werden innerhalb weniger Stunden zu Vertrauten. Man arbeitet Hand in Hand, lacht zusammen, schwitzt zusammen und verlässt sich zu 100 % aufeinander. Eines weiß ich jetzt schon: Wenn ich im nächsten Jahr all diesen Menschen wiederbegegne, wird es so sein, als wären wir nie getrennt gewesen.

Doch auch für Jan war es nach all den Jahren ein besonderer Bauspielplatz. Den BSP durch meine Erfahrungen und Erzählungen noch einmal neu erleben zu dürfen, war etwas Besonderes für ihn. Er erzählte mir später, wie wunderbar es für ihn war, mitzuerleben, wie ich nach und nach von genau der Sache begeistert wurde, für die er selbst schon seit Jahren brennt. Meine Begeisterung ließ ihn noch einmal neu entdecken, wie kostbar diese Zeit für ihn ist.

Was für mich bleibt? Ein tiefes Gefühl von Dankbarkeit. Der Bauspielplatz hat mir gezeigt, dass Glaube und Gemeinschaft untrennbar zusammengehören. Sie bilden eine Symbiose: Ohne den Glauben gäbe es dieses Fundament der Gemeinschaft nicht, und ohne die Gemeinschaft wäre der Glaube um seine schönste Form beraubt.

Mein Freund und der Bauspielplatz haben mir bewiesen: Ein Feuer, das im Herzen für eine Sache brennt, steckt an – egal, wie groß die Bedenken zu Beginn auch sein mögen. Ich bin unglaublich froh, dass ich dieses Mal nicht nur Zuhörerin war, sondern jetzt selbst von dieser wunderbaren Zeit erzählen kann!

Maya Zeyen und Jan Kliewe

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