Als wir diese Webseite entworfen haben, wollten wir damit besonders auch vermitteln, welche Fähigkeiten und Stärken wir jungen Menschen mitgeben möchten. Natürlich Glauben, Gemeinschaft und Sport. Aber da ist doch noch viel mehr: Junge Menschen sollen befähigt werden, ihr Leben besser meistern zu können. Wir wollen ihnen Freiräume eröffnen, eigene Ideen umzusetzen, Dinge auszuprobieren und dabei zu lernen, kreativ zu sein. Wichtiges für das eigene Leben zu lernen, für das Zusammenleben in Partnerschaften, für Entwicklungen und Karrieren im Beruf. Und so die eigene Identität und Resilienz zu stärken. Wichtiger als aller Perfektionismus, an dem es uns wohl das eine oder andere Mal etwas mangelt, ist diese großartige kreative Chance, sich im sicheren, geschützten Raum auszuprobieren und mit den so gewonnen Erfahrungen in Schule, Studium, Beruf und Alltag zurückzukehren. Viele aus dem CVJM Rüggeberg, die heute schon lange nicht mehr hier im Raum leben, haben das erfahren dürfen, und davon an ganz anderer Stelle profitiert. Einige versuchen, auf die eine oder andere Weise dem Verein dafür etwas zurückzugeben. Wenn man einem Verein solch eine prägende Rolle für das eigene Leben zusprechen darf, ist das wohl eine ganz große Sache.
Im neuen CVJM Magazin steht dieser Bericht von dem renommierten Theologen und Autor Professor Hans-Joachim Eckstein, der berichtet, dass er für ihn wegweisende Zeiten im CVJM verbracht hat, und sogar sein Christsein und seine Karriere dort verankert. – Natürlich sind nicht alle CVJM-Mitglieder Professor geworden, aber viele haben ähnliches erlebt und erinnern sich gerne an gleichermaßen schöne wie prägende Zeiten im CVJM. Eckstein hat die große Gabe, Themen verständlich auf den Punkt zu bringen, und so hat er auch seinen Artikel wunderbar passend betitelt:
WO GLAUBE WÄCHST…
…und Begabung sich entfaltet
Meine erste Begegnung mit der CVJM-Arbeit verlief nicht ganz nach Plan. Als mich ein Freund zu einem »Jungenschafts«-Abend einlud, war der Leiter wohl verhindert. So saßen wir etwas verlegen zusammen und verbrachten die Zeit mit Gesellschaftsspielen, bis sich jemand ein abschließendes Gebet zutraute. Dennoch kam ich gerne wieder.
Was mich vor jeder Verkündigung ansprach, war die Art des wertschätzenden und fairen Umgangs miteinander.
Fasziniert war ich von all dem, was einen Teenager außerhalb von leidiger Schule und lästiger Familie reizt: Nachtwanderungen, Lagerfeuer, Zeltlager, gemeinsames Singen, Wettkämpfe und Sport bis zur Erschöpfung. In diesem Erleben von Gemeinschaft ließ ich mir auch die dazugehörenden Andachten, Gebete und geistlichen Lieder gefallen. Ich hatte nicht grundsätzlich etwas gegen den Glauben, er war mir bis dahin nur noch nie so attraktiv erschienen.
Sehr bald fühlte ich mich nicht nur mit den »jungen Menschen« im CVJM verbunden, sondern persönlich und bewusst mit dem dort bezeugten Jesus Christus, dessen »Jünger« wir in unserem »Glauben und Leben« sein wollten – wie es die »Pariser Basis« formulierte. So verdanke ich der engagierten CVJM-Arbeit – mit ihrer christuszentrierten Verkündigung und lebensfrohen Glaubenspraxis – sowohl die Aussaat wie das Aufkeimen meines eigenen Glaubens.
Damit verbunden erlebte ich zugleich die Entdeckung meiner eigenen Lebensinteressen und die Entfaltung meiner persönlichen Gaben. Ich bewundere noch heute die geduldige und wahrnehmende Aufmerksamkeit, mit der wir in neue Verantwortungsbereiche eingeführt und zu neuen Aufgaben ermuntert wurden – ob zu Mitarbeit, zu eigenverantwortlicher Leitung oder zu Predigtdiensten.
Als ich dann das Theologiestudium aufnahm, war ich nicht nur durch ungezählte Mitarbeiterschulungen, Fortbildungen und Bibelstudien in meinem Glauben und Denken gut präpariert; ich hatte zugleich durch mehrjährige Praxis einen Schatz an Grundkompetenzen in Leitung, Kommunikation, Teamarbeit, Pädagogik und Rhetorik erworben. Vor allem hatte ich »Resilienz« trainiert, schon bevor sie so hieß. Wenn ich von Studium und wissenschaftlichem Arbeiten dann persönlich und fachlich vielfältig profitierte, geschah das auf eben dieser Erfahrungsgrundlage.
»Wo haben Sie es gelernt, frei und ohne Manuskript zu sprechen?«, werde ich oft gefragt. Die Antwort: »In der CVJM-Jugendarbeit! Denn wenn man vor einer Jungschargruppe den Augenkontakt auch nur für einen Augenblick abreißen lässt, …«
Vielleicht verlief meine erste Begegnung mit dem CVJM – von höherer Warte aus gesehen – dann wohl doch »nach Plan«.

Prof. Dr. Hans-Joachim Eckstein, Hochschullehrer, Autor und Referent, www.ecksteinproduction.com
Text aus:
CVJM Magazin, Ausgabe 1/26, Thema: „Mitten im Leben, Impulse und Erfahrungen aus der Arbeit mit Erwachsenen“, S.10
Herausgeber: CVJM-Gesamtverband in Deutschland e.V.
Bildnachweis: ©www.ecksteinproduction.com, Fotograf Holger Eckstein


