Lena Niekler zum CVJM Perspektivprozess
Klar, gerne spricht sie mit uns über den Podcast und den Perspektivprozess im CVJM Westbund.
Lena Niekler ist Bundessekretärin für „Young Leaders und neue Formen von CVJM Arbeit“. Wie ernst sie ihre Arbeit nimmt und wie sehr sie den Dialog zu den Vereinen sucht, steht direkt in ihrer ersten E-Mail an uns: „Und falls es bei euch aus dem CVJM Rüggeberg Themenwünsche gibt oder Ideen, was für euch spannend wäre oder an welchen Fragen ihr als Verein gerade dran seid: Lasst uns das auch gerne wissen!“ – Dabei hatten wir vordergründig nur den interessant gemachten Podcast im Blick, waren begeistert von der ungewohnt persönlichen Form dieser Kommunikation, und haben erst beim zweiten Nachdenken begriffen: Hinter der so leger gemachten Unterhaltung in den Podcasts steckt ja ein wirklich ganz großes und wichtiges Thema: Es geht schlicht um die Zukunft des CVJM. Alle zwei Wochen macht Lena zusammen mit dem ehrenamtlich mitarbeitenden Fabian Fortmann eine neue Podcast Folge.
Lena Niekler, habt ihr jetzt nach 21 Folgen und Gesprächen mit Menschen, die eine Meinung zur CVJM Zukunft haben oder haben könnten, allmählich die Zukunft unseres Vereins im Blick?
Lena: Wir sprechen im Podcast ja von Zukünften – von unterschiedlichen Bildern, wie die Zukunft im CVJM und auch darüber hinaus Gestalt gewinnen kann. Dieses Thema „umkreisen“ wir gewissermaßen aus verschiedenen Perspektiven und nähern uns immer mehr verschiedenen Themen an, die für die Zukunft der CVJM-Arbeit entscheidend sein könnten. Wichtig ist mir dabei: Nicht Fabian und ich als Podcast-Hosts oder unsere Gäste entwerfen dieses Zukunftsbild – wir greifen in unseren Gesprächen viel mehr das auf, was von vielen Menschen aus dem ganzen Westbund im Rahmen des Perspektivprozesses eingebracht wurde. Ein erstes Zukunftsbild, das dabei entstanden ist, haben wir als „7 Summits“ beschrieben. Mit diesen Themen wollen wir uns auf einer nächsten Etappe weiter beschäftigen – im Wissen, dass dabei vielleicht nicht jedes Thema für jeden Ortsverein oder Kreisverband gleich bedeutsam ist, sind wir überzeugt: Da stecken wertvolle Spuren für die Zukünfte drin und es wird Anknüpfungspunkte für viele Engagierte im CVJM geben – und darüber werden wir im Podcast mit unseren Gästen auch weiter in den Dialog gehen.
Wie wählt ihre eure Gesprächspartner für die Folgen aus? Ihr habt typischerweise nicht die Leitenden des CVJM vor dem Mikro, sondern ladet ja eure Gäste sehr viel breiter ein.
Lena: Bei der Auswahl unserer Gäste haben wir uns häufig gefragt: Wen kennen wir, der oder die eine spannende Perspektive zum Thema „Zukünfte“ einbringen könnte? Angefragt haben wir dabei sowohl Menschen aus der CVJM-Bewegung als auch aus anderen christlichen Organisationen oder Verbänden. Wir sind dabei vor allem dankbar, viele Weggefährten für Zukunftsthemen in unserem persönlichen Netzwerk zu haben, die unserer Einladung gerne gefolgt sind. Darüber hinaus halten wir Augen und Ohren offen: Wo entdecken wir spannende Aufbrüche im CVJM, über die wir ins Gespräch kommen könnten? Und schließlich gibt es mittlerweile auch vereinzelt Anregungen von Hörern im Sinne von „ein Gespräch mit dieser Person wäre spannend“ – darüber freuen wir uns besonders, da der Podcast so wirklich zu einem partizipativ gestalteten Format wird.
Wenn du jemandem, der jetzt erst einsteigt, ein Tipp geben solltest: Mit welchen Folgen sollte er oder sie beginnen?
Lena: Um zu verstehen, worum es bei „Auf in die Zukünfte geht“ und was es mit dem Perspektivprozess auf sich hat, empfehle ich tatsächlich die allererste Episode, weil wir da genau das thematisieren. Oder Folge #4 mit Matthias Büchle, wo es um den Perspektivprozess geht. Danach würde ich sagen: Herzliche Einladung da reinzuhören, wo es thematisch Resonanz gibt.
Wer euch auf einer Streaming-Plattform wie Spotify hört, verpasst ein interessantes Element: Auf der CVJM Webseite gebt ihr auch zusätzlich Buch- oder Video-Tipps, tiefergehende Erläuterungen und manchmal eine Tool-Box.
Lena: Ein wichtiger Hinweis – denn über die Streamingplattformen brauchte es immer noch einen Umweg über die Shownotes, wo die Webseite auch verlinkt ist. Uns ist es wichtig, nicht nur über Themen zu reden, sondern auch Anregungen zur persönlichen Vertiefung oder praktischen Anwendung mitzugeben. Die Ressourcen zum Podcast kann man auch gut durchstöbern, ohne alle Folgen gehört zu haben – nur so als Tipp!
Die Podcasts sind die eine, vordergründige Seite der Arbeit. Dahinter steckt ein Perspektiv- oder Veränderungsprozess, über den ihr nachdenkt, bei dem ihr auch die regionalen Vereine einbindet. Und es gibt ein Team aus (Zukunfts-) Piloten und Pilotinnen.
Lena: Genau, seit etwa zwei Jahren fragen wir in diesem Prozess intensiver nach den Zukünften der CVJM-Arbeit im Westbund. Dabei ist uns wichtig: Der Westbund sind wir alle – Ortsvereine, Kreisverbände und der Landesverband. Die Gruppe der Pilotinnen und Piloten versucht dabei, die unterschiedlichen Stimmen aus dieser Breite in den Prozess einzubringen und mit einem Blick für die Vielfalt innerhalb unserer Arbeit zu erproben, wie Schritte in die Zukünfte aussehen könnten.
Viele sehen den CVJM eher als einen konservativen Verein, der alte und altbewährte Formen der Arbeit, der Kommunikation, der Selbstdarstellung beibehält. Ihr sagt aber, in einer rasant sich verändernden Zeit und Gesellschaft, der Werte und Interessen, muss sich auch der CVJM verändern.
Lena: Wir nehmen einerseits innerhalb des CVJM Herausforderungen wahr – zum Beispiel, dass lange bewährte Formate nicht mehr funktionieren oder die Gewinnung von Teilnehmenden wie Mitarbeitenden eine große Herausforderung für unsere Vereine darstellt. Andererseits sind wir eng verbunden mit den evangelischen Kirchen und sehen, wie die dortigen Reformprozesse und damit verbundenen strukturellen Veränderungen auch die CVJM-Arbeit beeinflussen. Wir sehen all diese Umbrüche als Chance noch einem neu zu fragen: Wozu braucht es CVJM-Arbeit heute ganz konkret? Also wie können wir unseren in der Pariser Basis formulierten Auftrag in Zukunft verwirklichen? Ein wichtiger Hinweis dazu: Uns geht es dabei nicht darum, dass eine gut funktionierende Jugendarbeit sich um jeden Preis verändern muss, sondern viel mehr um neue Perspektiven für alle, die angesichts aktueller Herausforderungen nochmal ganz neu über die Zukunft der CVJM-Arbeit nachdenken wollen.
Wie wichtig und dringend sind die Schritte in die Zukunft des CVJM? Haben wir nicht noch Zeit, erst einmal alles beim Alten zu belassen?
Lena: Als Landesverband merken wir auf jeden Fall, dass Veränderungen dran sind – weil wir jetzt noch die Möglichkeiten haben, Zukünfte aktiv zu gestalten und nicht nur auf Veränderungen von außen zu reagieren. Ich würde sogar sagen: Es lohnt sich in jedem Fall, von Zeit zu Zeit ganz ehrlich auf die Arbeit des eigenen CVJM zu schauen und zu reflektieren, was gut läuft und weiter gepflegt werden sollte – und was auch liebevoll verabschiedet werden darf.
Die Rückmeldung aus den Ortsvereinen, die ihr ja sehr nachdrücklich wünscht, was sagen die euch? Gibt es Tendenzen?
Lena: Da ist ehrlich gesagt noch „Luft nach oben“ – und ich wünsche mir da oft noch mehr Austausch. Der Podcast ist aber in jedem Fall ein Türöffner: Wir freuen uns über positive Resonanz von Menschen, die unsere Episoden hören und Anregungen in ihre Arbeit vor Ort übernommen haben. Für mich hat sich auch ein intensiverer Austausch über den Perspektivprozess darüber ergeben – auch das ist für mich sehr wertvoll.
In einer so großen und sehr alten Organisation wie dem CVJM Dinge anzustoßen und zu bewegen, ist das nicht ein Kampf gegen Windmühlen?
Lena: Als ich 2016 anfing, beim CVJM-Westbund zu arbeiten, begleitete uns oft das Bild des „Tankers“, der nur sehr langsam zu einem Kurswechsel zu bewegen ist. Mittlerweile nehme ich das ganz anders wahr – neue Ideen werden oft als „Schnellboote“ zu Wasser gelassen und einfach mal erprobt. Dazu braucht es Menschen in Verantwortung, die bereit sind, dazu auch Schritte ins Unbekannte zu wagen. Bei uns im Westbund bewegt sich eine Menge und das motiviert mich persönlich sehr. Zugleich ist es wichtig, den Gegenwind, die Fragen und auch die Unsicherheiten, die ein Veränderungsprozesse mit sich bringt, ernst zu nehmen. Mir ist es daher sehr wichtig, möglichst viele Menschen in diese Prozesse einzubeziehen und gemeinsam Zukünfte zu gestalten.
Wie kann man sich als Ortsverein oder als einzelnes Mitglied in diesen Veränderungsprozess einbringen?
Lena: Ein nächster großer Meilenstein ist der Perspektivtag am 27. September 2025 auf der Bundeshöhe. Dort werden wir gemeinsam an den „7 Summits“ arbeiten und einen Begegnungsraum für Menschen schaffen, die gemeinsam mit anderen in die Zukünfte aufbrechen wollen. Darum ist für den Tag nicht nur die co-kreative Auseinandersetzung mit den Zukunftsthemen angedacht, sondern auch Raum zum Feiern – erst im Gottesdienst und dann auf unserer Partymeile. Vereine, die ganz konkret an ihren Zukunftsthemen arbeiten wollen, können sich außerdem schon einmal die Woche vom 26.-31. Januar 2026 vormerken. Da wird die nächste „Next Step“-Woche stattfinden, in der wir uns auf den Weg zu euch vor Ort machen, um euch bei der Klärung eurer nächsten Schritte „auf in die Zukünfte“ zu begleiten.
An welchen Themen arbeitet ihr für die nächsten Podcasts?
Lena: In den nächsten Folgen wird es international: Mit meiner Kollegin Andrea Bolte kommen wir ins Gespräch darüber, was wir von unseren westafrikanischen Partnern – dem YMCA Sierra Leone und dem YMCA Ghana – für die Zukünfte lernen können. Außerdem haben wir Folgen zum „Hören auf Gott“ im Aufbrechen sowie zur Bedeutung von „Young Leaders“ in der CVJM-Arbeit in Vorbereitung.

