Das war eine echte Überraschung: Das Liedermacher-Duo Frank & Peter Hübner gaben nach etwa fünfjähriger Pause Anfang Dezember in Wuppertal in der Kirche auf dem Ölberg erstmals wieder gemeinsam ein kleines Konzert. In den achtziger Jahren waren die beiden, die heute in Wuppertal und in Remscheid leben, ein fester Bestandteil der christlichen Singer-Songwriter Szene, neben vielen damals sehr aktiven und populären Künstlern wie etwa theophiles oder Arno & Andreas. Deutsche Songtexte, eingängige, leicht mitsingbare Melodien und viele starke sprachliche Bilder bildeten die Grundlage der beiden Musik-Barden. Ihre Musik ist für heutige Verhältnisse eher ruhig, trotzdem haben wir die beiden zur Christmas Rock Night 1986 im Haus Ennepetal mit Band auf die Bühne geholt, so wie in den Anfangsjahren der CRN auch andere wenig rockaffine Künstler wie Clemens Bittlinger oder Cae Gauntt. Wir kannten die beiden, weil sie davor auch schon ein Konzert im Rüggeberger Vereinshaus gegeben hatten.
Als rein akustisches Trio waren die beiden Brüder mit Ede Otto, der heute in Berlin lebt, von Anfang der 80er Jahre an unterwegs. Von 1984 bis etwa 1992 haben sie fast nur noch als Band getourt. Mit dabei waren oft sehr bekannte Musiker wie beispielsweise am Bass Uli Geiler, Matthias Gräb, der bei Eternity anfing und heute bei Andrea Berg spielt, oder Martin Varnholt von Cheerful Message. Am Schlagzeug saßen die beiden leider viel zu früh verstorbenen Schlagzeuger Martin Stoeck, der wohl am bekanntesten mit „Pur“ wurde, und Reinhard Schmidt. An der Gitarre war oft Frieder Jost von Damaris Joy dabei, der heute bei der Wittener Worship-Café Band spielt. Auch ihr Saxophonist Sammy Baeck spielte neben Ede fast auf allen Konzerten.
Unsere erste Frage nach diesem feinen, kleinen Konzert kann natürlich nur sein: Warum habt ihr euch entschieden, rund 40 Jahren nach euren beiden Erfolgsalben auf Pila „Hab‘ keine Angst“ (1983) und „Befreite Hände“ (1986) wieder zusammen zu spielen?
Frank: Wir hatten über einen langen Zeitraum das Vorrecht, mit einer großartigen Band unterwegs sein zu dürfen. Das war nie geplant – hat sich aber so ergeben. Irgendwann ließ sich der Aufwand nicht mehr mit Beruf und Familie vereinbaren und wir haben die Konzerttätigkeit ausklingen lassen. Auch wir sind mittlerweile älter geworden und haben durch den in diesem Jahr eingetretenen Ruhestand freie Zeit gewonnen, die es uns wert erscheinen ließ, einen kleinen Testballon zu starten.
Peter: Frank hatte schon seit längerem den Wunsch, es noch einmal gemeinsam zu wagen. Ich war lange sehr zurückhaltend. Wir waren ja damals 12 Jahre lang neben Beruf und Familie mit bis zu 60 Konzerten im Jahr intensiv unterwegs. Alles hat seine Zeit. Ich dachte mir eigentlich, die Vergangenheit mit dem Gefühl ruhen zu lassen, dass ja alles bereits gesagt und gesungen ist. Dann haben wir uns doch einfach einmal mit der Gitarre zusammengesetzt und alte und auch neue Lieder probiert. Es hat Freude gemacht.
Wie erlebt ihr es selbst, nach so vielen Jahren wieder live aufzutreten? Ist das vornehmlich eine schöne Erinnerung an die alten Tage oder ist da doch mehr dahinter?
Frank: Auf lokaler Gemeinde-Ebene haben wir ja nie aufgehört live zu spielen. Trotzdem haben wir gemerkt, dass weitere Proben nicht schaden können, um auch wieder gemeinsam in Form zu kommen.
Peter: Ja, genau. Wir sind einzeln nach wie vor musikalisch aktiv, Frank in Wuppertal und ich in der Gemeinde in Remscheid. Gemeinsam wieder zu spielen, ist noch ein zartes Pflänzchen, welches wir gerne auch mit neuen Liedern düngen wollen. Und dann schauen wir mal.
Welches Lied ist für euch heute noch genauso wichtig wie damals?
Frank: Für mich ganz klar „Befreite Hände“, das wir aktuell musikalisch ein wenig adaptiert haben.
Peter: Dem stimme ich zu. In dem Lied steckt komprimiert die ganze Botschaft unserer Lieder.
Viele eurer Texte haben einen Mut machenden, Vertrauen vermittelnden Tenor, der in der heutigen komplizierten Lage mit Kriegen und vielfältigen politischen Konflikten zumindest ungewohnt, vielleicht auch etwas vereinfachend klingt. Passen die Lieder noch – oder vielleicht gerade wieder – in unsere heutige Zeit?
Frank: Ich denke, es bringt nichts, dem Zeitgeist hinterherzurennen. Die Kernfragen des Lebens wollen wir nach wie vor berühren, natürlich ohne unsachgemäße Vereinfachungen. In den letzten Jahren habe ich mich sehr viel mit Musik im Gottesdienst befasst. In diesem Bereich gibt es immer wieder die Diskussion um oberflächliche Inhalte zu immer gleich klingenden Songs. Hier zu besseren Texten mit im Alltag nachvollziehbaren Aussagen zu kommen, ist eine gute Herausforderung, an der es sich zu arbeiten lohnt.
Peter: Genau diese Frage hat uns sehr beschäftigt, bevor wir wieder gemeinsam zur Gitarre gegriffen haben. Es ist unser Wunsch, den Zuhörer mit unseren Liedern persönlich zu begegnen, Herzen zu bewegen, den Alltag zu bereichern, ohne den Zeigefinger zu heben und zu belehren. Das mag „vereinfacht“ klingen, die positiven Reaktionen unserer Zuhörer machen uns Mut, weiterzudenken.
Wenn ihr an die achtziger Jahre zurückdenkt, warum habt ihr mit eurer Musik so den Nerv der Zeit getroffen?
Frank: Wir sind keine überragenden Sänger und haben auch musikalisch sicherlich Defizite. Trotzdem bescheinigen uns auch heute noch immer wieder Leute, dass sie durch unsere authentische Art in ihrem Glauben und persönlichem, kreativen Werdegang angestoßen wurden. Das empfinden wir nicht als Verdienst, sondern als Geschenk.
Könnt ihr euch vorstellen, noch einmal ganz neue Songs zu schreiben oder die alten neu zu arrangieren?
Frank: Ja! Wir arbeiten an neuen Songs und könnten uns auch vorstellen, ein paar Schätze aus den alten Songs mit einer erdig klingenden Version neu aufzunehmen.
Peter …und dann sehen wir weiter. Wichtig ist uns, es entspannt angehen zu lassen.
Ihr habt früher eure Konzerte meist mit einer kompletten Band gespielt. Denkt ihr auch darüber nach?
Frank: Das hatte seine Zeit, und mit vielen tollen Musikern umgeben, hat das unfassbar großen Spaß gemacht. Heute könnten wir den damit verbundenen Aufwand nicht mehr leisten.
Peter: Dabei hat es auch seinen Reiz, einfach nur mit zwei Gitarren, ohne viel technischen Aufwand, zu spielen. Das hat auch etwas Befreiendes. Beweisen müssen wir uns allemal nichts mehr.
Und wenn ihr selbst heute ein Festival mit ein paar der alten Bands und Liedermacher veranstalten könntet, wen würdet ihr gerne einladen, unabhängig davon, ob es sie heute noch gibt?
Frank: Auch über diese Frage philosophieren wir auf verschiedenen Ebenen gerade viel. Es gibt auch Veranstalter, die durchaus bereit wären, nochmals die alte Garde auflaufen zu lassen. Wir fragen uns aber ernsthaft, ob das irgendjemand braucht, solange es nur um Nostalgie geht. Ich selbst gehe nicht auf Oldie-Partys, sondern interessiere mich eher dafür, was aktuell noch an handgemachter Musik geboten wird.
Peter: Nostalgietreffen sind auch nicht mein Ding. Wenn du jedoch so direkt fragst, fällt mir tatsächlich die Band theophiles ein, die ja damals in ähnlicher Weise wie wir unterwegs waren.
Nach 40 Jahren kommen Frank und Peter zurück zu uns ins Vereinshaus: Sie sind am 22. Februar 2026 unsere musikalischen Gäste beim Miteinander!






