Christlicher Verein Junger Menschen (CVJM) Rüggeberg e.V.

Impuls Mai – Was Liebe verlangt

Manchmal frage ich mich, ob Nachfolge nicht viel öfter stolpern ist als souveränes Vorangehen. So ein bisschen: Jesus vorneweg.

Und ich irgendwo dahinter.
Mal inspiriert. Mal mutig. Mal völlig daneben.
Vielleicht kennst Du das.
Diese Momente, in denen Du eigentlich genau weißt, wie Du reagieren solltest — und es trotzdem nicht tust.

Oder andersherum: Du sagst etwas im Affekt. Schreibst diese Nachricht. Verdrehst die Augen. Ziehst Dich zurück. Und später denkst Du:
Das war’s irgendwie nicht. Nicht die Version von mir, die ich eigentlich sein möchte.
In den letzten Jahren ist mir eine Frage wichtig geworden.
Eine kleine Frage. Aber ehrlich gesagt: Eine ziemlich herausfordernde.
„Was verlangt die Liebe gerade von mir?“
Nicht: Was ist am einfachsten?
Nicht: Wie gewinne ich die Diskussion?
Nicht: Wie behalte ich recht?
Sondern: Was verlangt die Liebe gerade von mir?

Ich finde, das klingt erstmal weich. Fast harmlos.
Bis man merkt, wie unbequem Liebe manchmal ist.
Denn Liebe bedeutet manchmal, geduldig zu bleiben, obwohl man genervt ist.
Zuzuhören, obwohl man längst eine Antwort parat hat.
Nicht zurückzuschlagen, obwohl man verletzt wurde.
Oder den ersten Schritt zu machen, obwohl man findet, dass eigentlich die andere Person dran wäre.

Jesus spricht ständig davon.
„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ (Matthäus 22,39)
Und ehrlich? Das klingt schön — bis der Nächste kompliziert wird.
Bis der Mensch Dir begegnet, der Dich enttäuscht hat. Der Dich anstrengend findet.
Oder den Du anstrengend findest.
Paulus schreibt im ersten Korintherbrief, dass Liebe geduldig ist. Freundlich. Nicht nachtragend. Nicht selbstsüchtig.

Ich lese das manchmal und denke:
Okay. Da ist noch Luft nach oben.
Vielleicht ist genau das Nachfolge:
Nicht perfekt lieben, sondern die Liebe überhaupt wieder zur Frage machen.
Immer wieder. Vor einer Entscheidung. Vor einer Antwort. Vor einem Konflikt.
Was verlangt die Liebe gerade von mir?
Vielleicht ein klärendes Gespräch. Vielleicht ein ehrliches „Es tut mir leid“.
Vielleicht Grenzen. Vielleicht Mut. Vielleicht einfach nur: da sein.

Ich glaube, die Welt verändert sich selten durch die Lautesten.
Aber oft durch Menschen, die sich trotz allem entscheiden,
nicht hart zu werden.
Menschen, die mitten im Stress, im Streit, im Alltag, einen kleinen Moment innehalten und fragen:
Was verlangt die Liebe gerade von mir?

Vielleicht wäre das schon ein Anfang. Ein ziemlich guter sogar.

Gebet

Gott, manchmal reagieren wir schneller, als wir lieben.

Manchmal sind wir verletzt, müde oder überfordert.

Und manchmal vergessen wir, wie sehr Deine Liebe uns selbst trägt.

Hilf uns, nicht nur über Liebe zu reden,

sondern sie sichtbar zu machen.

In unseren Worten. In unseren Entscheidungen. In unserem Alltag.

Amen.

Mit diesem Impuls im Mai 2026 grüßt uns Daniel Jung, Pfarrer im Kirchenkreis Schwelm. 

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